Best Practices#
Dieses Kapitel zeigt dir bewährte Methoden für ein effektives Kontext Management.
Stakeholder-Identifikation#
Die richtigen Stakeholder finden#
Systematischer Ansatz:
Nutze die Stakeholder-Kategorien als Checkliste:
Primäre Stakeholder (direkte Beziehung):
- Kunden: Wer kauft unsere Produkte/Dienstleistungen?
- Lieferanten: Von wem beziehen wir Waren/Dienstleistungen?
- Mitarbeitende: Wer arbeitet für uns?
- Eigentümer: Wem gehört das Unternehmen?
Sekundäre Stakeholder (indirekte Beziehung):
- Behörden: Welche Ämter regulieren uns?
- Wettbewerber: Wer konkurriert mit uns?
- Öffentlichkeit: Wer nimmt uns wahr (Medien, Anwohner)?
- Finanzpartner: Banken, Investoren, Versicherungen?
Tertiäre Stakeholder (potenzielle Beziehung):
- Zukünftige Kunden: Neue Marktsegmente?
- Potenzielle Partner: Kooperationsmöglichkeiten?
- Branchenverbände: Netzwerke und Organisationen?
Stakeholder-Namen richtig wählen#
✅ Gut - Spezifisch:
- “Direktkunden aus der Industrie”
- “Zulieferer von Rohmaterialien”
- “Kantonale Umweltschutzbehörde”
- “Mitarbeitende in der Produktion”
❌ Schlecht - Zu allgemein:
- “Kunden” (Welche? Alle?)
- “Lieferanten” (Welche Art?)
- “Behörden” (Welche konkret?)
- “Mitarbeiter” (Welche Gruppe?)
Stakeholder-Gruppen sinnvoll zusammenfassen#
Zu viele Stakeholder (unpraktisch):
❌ Einzelne Stakeholder:
- Kunde A
- Kunde B
- Kunde C
- Kunde D
→ 100+ Stakeholder, unübersichtlichRichtige Gruppierung:
✅ Gruppierte Stakeholder:
- Direktkunden aus der Industrie
- Endkunden (B2C)
- Händler und Distributoren
→ 10-15 Stakeholder-Gruppen, übersichtlichFaustregel:
- 10-20 Stakeholder-Gruppen sind optimal
- Zu wenige (<5): Zu grob, wenig Aussagekraft
- Zu viele (>30): Unübersichtlich, schwer zu pflegen
Bewertungssystem optimal nutzen#
Interesse richtig bewerten#
Interesse = Wie stark interessiert sich die Partei für unser Unternehmen?
Klein (1):
- Partei zeigt kaum Interesse
- Sporadischer Kontakt
- Keine aktive Nachfrage
Beispiel: Behörde, die nur bei Verstössen aktiv wird
Mittel (2):
- Partei zeigt moderates Interesse
- Regelmässiger Kontakt
- Gelegentliche Anfragen
Beispiel: Lieferanten mit mehreren Kunden
Gross (3):
- Partei ist stark interessiert
- Intensiver, proaktiver Kontakt
- Hohe Aufmerksamkeit für uns
Beispiel: Schlüsselkunden, Eigentümer, Führungskräfte
Einfluss richtig bewerten#
Einfluss = Wie stark kann die Partei uns beeinflussen?
Klein (1):
- Partei hat kaum Einfluss
- Kann uns nicht signifikant schaden/helfen
- Leicht ersetzbar
Beispiel: Kleine Lieferanten, lokale Medien
Mittel (2):
- Partei hat moderaten Einfluss
- Kann uns beeinflussen, aber nicht existenziell
- Teilweise ersetzbar
Beispiel: Mittelgrosse Kunden, Branchenverbände
Gross (3):
- Partei hat grossen Einfluss
- Kann uns existenziell beeinflussen
- Schwer oder nicht ersetzbar
Beispiel: Hauptkunden, Zertifizierer, Regulierungsbehörden
Bewertungs-Workshops durchführen#
Empfohlener Prozess:
Schritt 1: Vorbereitung
- Liste aller Stakeholder erstellen
- Workshop-Teilnehmer einladen (Führungskräfte, Fachexperten)
- Bewertungskriterien erklären
Schritt 2: Individuelle Bewertung
- Jeder Teilnehmer bewertet zunächst individuell
- Interesse und Einfluss pro Stakeholder (1-3)
- Notizen zu Begründungen
Schritt 3: Gemeinsame Diskussion
- Bewertungen vergleichen
- Abweichungen diskutieren
- Konsens finden
Schritt 4: Dokumentation
- Finale Bewertungen in ELIZA erfassen
- Begründungen in Beschreibung aufnehmen
- Review-Termin festlegen
Beispiel-Diskussion:
Stakeholder: Hauptkunden
Person A: Interesse: 3, Einfluss: 3 → Rating: 9 (Rot)
Person B: Interesse: 2, Einfluss: 3 → Rating: 6 (Orange)
Diskussion:
- A: "Hauptkunden kontaktieren uns proaktiv mehrmals pro Woche"
- B: "Aber wir haben mehrere Hauptkunden, Abhängigkeit nicht so gross"
Konsens:
- Interesse: 3 (proaktiver Kontakt bestätigt)
- Einfluss: 3 (trotz Diversifizierung existenziell wichtig)
→ Rating: 9 (Rot) ✅Farbcodierung strategisch nutzen#
Priorisierungs-Matrix:
┌─────────────────────────────────────────────────────┐ │ Stakeholder-Priorisierung nach Rating │ ├─────────────────────────────────────────────────────┤ │ │ │ 🔴 ROT (Rating > 7): Hohe Priorität │ │ - Intensive Kommunikation │ │ - Regelmässiges Management │ │ - Risiko-Monitoring │ │ - Eigene Prozesse definieren │ │ │ │ 🟠 ORANGE (Rating 4-7): Mittlere Priorität │ │ - Regelmässige Information │ │ - Monitoring wichtiger Entwicklungen │ │ - Standard-Prozesse ausreichend │ │ │ │ 🟢 GRÜN (Rating < 4): Niedrige Priorität │ │ - Gelegentliche Information │ │ - Beobachtung bei Bedarf │ │ - Minimaler Aufwand │ │ │ └─────────────────────────────────────────────────────┘
Kommunikationsplan nach Farbe:
| Farbe | Frequenz | Kanal | Inhalte |
|---|---|---|---|
| 🔴 Rot | Wöchentlich | Persönlich, E-Mail | Status, Risiken, Massnahmen |
| 🟠 Orange | Monatlich | E-Mail, Newsletter | Updates, wichtige Änderungen |
| 🟢 Grün | Quartalsweise | Newsletter, Website | Allgemeine Informationen |
Themenmanagement#
Interne vs. Externe Themen unterscheiden#
Interne Themen:
Faktoren, die innerhalb der Organisation kontrollierbar sind.
Merkmale:
- Wir haben direkte Kontrolle
- Können durch interne Massnahmen geändert werden
- Betreffen interne Ressourcen, Prozesse, Kultur
Beispiele:
- Prozessreife
- Mitarbeiterkompetenzen
- IT-Infrastruktur
- Unternehmenskultur
- Finanzielle Ressourcen
Externe Themen:
Faktoren aus der Umwelt der Organisation, die wir nicht direkt kontrollieren.
Merkmale:
- Wir haben keine direkte Kontrolle
- Müssen beobachtet und darauf reagiert werden
- Betreffen Markt, Gesellschaft, Regulierung, Technologie
Beispiele:
- Wirtschaftslage
- Regulatorische Anforderungen
- Technologie-Trends
- Wettbewerbssituation
- Kundenbedürfnisse
Grenzfälle:
Manche Themen sind sowohl intern als auch extern:
Beispiel: Digitalisierung
Extern: Technologie-Trends am Markt (wir können sie nicht kontrollieren)
Intern: Unser Digitalisierungsgrad (wir können ihn verbessern)
Lösung: Zwei separate Themen erstellen:
- "Digitalisierung in der Branche" (Extern)
- "Digitalisierungsgrad im Unternehmen" (Intern)PESTEL-Analyse für externe Themen#
Nutze das PESTEL-Framework für vollständige externe Themen:
P - Political (Politisch):
- Politische Stabilität
- Handelspolitik
- Steuerpolitik
- Subventionen
E - Economic (Wirtschaftlich):
- Konjunktur
- Inflation
- Wechselkurse
- Kaufkraft
S - Social (Sozial):
- Demografische Entwicklung
- Wertewandel
- Bildungsniveau
- Gesundheitsbewusstsein
T - Technological (Technologisch):
- Digitalisierung
- Automatisierung
- Innovation
- Technologie-Trends
E - Environmental (Ökologisch):
- Klimawandel
- Umweltauflagen
- Ressourcenknappheit
- Nachhaltigkeit
L - Legal (Rechtlich):
- Gesetze und Vorschriften
- Normen und Standards
- Arbeitsrecht
- Produkthaftung
Checkliste für vollständige externe Themen:
- Politische Themen erfasst?
- Wirtschaftliche Themen erfasst?
- Soziale Themen erfasst?
- Technologische Themen erfasst?
- Ökologische Themen erfasst?
- Rechtliche Themen erfasst?
Themen mit Markdown strukturieren#
Empfohlenes Format für Themen-Beschreibungen:
## [Themenname]
**Aktuelle Situation:**
[Kurze Beschreibung des aktuellen Zustands]
**Entwicklung:**
[Wie hat sich das Thema entwickelt? Trends?]
**Auswirkungen auf uns:**
- Positive Effekte
- Negative Effekte
- Chancen
- Risiken
**Unsere Massnahmen:**
1. [Massnahme 1]
2. [Massnahme 2]
3. [Massnahme 3]
**Verantwortung:** [Funktion/Abteilung]
**Review:** [Nächster Review-Termin]Beispiel: Fachkräftemangel
## Fachkräftemangel
**Aktuelle Situation:**
In unserer Branche (Industrie) herrscht akuter Fachkräftemangel.
Offene Stellen können oft 6+ Monate nicht besetzt werden.
**Entwicklung:**
- 2023: 3 Monate durchschnittliche Vakanzzeit
- 2024: 6 Monate durchschnittliche Vakanzzeit
- Trend: Weiter steigend
**Auswirkungen auf uns:**
- ✅ Chance: Gute Mitarbeiter bleiben länger
- ❌ Risiko: Projektverzögerungen durch fehlende Ressourcen
- ❌ Risiko: Überlastung bestehender Mitarbeiter
- ❌ Risiko: Qualitätsprobleme durch zu hohe Auslastung
**Unsere Massnahmen:**
1. Employer Branding Initiative gestartet (Q3/2024)
2. Flexible Arbeitsmodelle eingeführt (Home-Office, Teilzeit)
3. Ausbildungsoffensive: 2 zusätzliche Lehrstellen
4. Weiterbildungsbudget um 20% erhöht
**Verantwortung:** HR-Leitung, Geschäftsleitung
**Review:** Quartalsweise (nächster: Q1/2025)Verknüpfungen effektiv nutzen#
Prozess-Stakeholder-Matrix erstellen#
Ziel:
Übersicht, welche Prozesse welche Stakeholder adressieren.
Vorgehensweise:
Schritt 1: Liste erstellen
Erstelle eine Tabelle (Excel oder Markdown):
| Prozess | Kunden | Lieferanten | Mitarbeitende | Behörden | Eigentümer |
|---|---|---|---|---|---|
| Vertrieb | ✅ | ✅ | |||
| Beschaffung | ✅ | ✅ | |||
| Produktion | ✅ | ||||
| QM | ✅ | ✅ | ✅ | ||
| Management Review | ✅ |
Schritt 2: Lücken identifizieren
Frage dich:
- Welche Stakeholder haben keine zugeordneten Prozesse? → Prozess-Lücke!
- Welche Prozesse haben keine Stakeholder? → Redundanter Prozess?
Schritt 3: Verknüpfungen in ELIZA herstellen
Für jeden Prozess mit ✅:
- Prozess öffnen (BPMN)
- Bearbeiten
- Stakeholder auswählen
- Speichern
Ergebnis:
✅ Vollständige Traceability zwischen Stakeholdern und Prozessen
SWOT-Kontext Integration#
Best Practice:
Verknüpfe SWOT-Einschätzungen systematisch:
Stärken → Interne Themen:
SWOT: Hohe Prozessreife (Stärke)
→ Verknüpfung: Thema "Prozessreife" (intern)Schwächen → Interne Themen:
SWOT: Begrenzte Ressourcen (Schwäche)
→ Verknüpfung: Thema "Ressourcenverfügbarkeit" (intern)Chancen → Externe Themen:
SWOT: Wachsende Nachfrage (Chance)
→ Verknüpfung: Thema "Wirtschaftslage" (extern)Risiken → Externe Themen:
SWOT: Neue Regulierungen (Risiko)
→ Verknüpfung: Thema "Regulierung" (extern)Stärken/Schwächen → Stakeholder:
SWOT: Hohe Kundenzufriedenheit (Stärke)
→ Verknüpfung: Stakeholder "Kunden"
SWOT: Abhängigkeit von wenigen Lieferanten (Schwäche)
→ Verknüpfung: Stakeholder "Lieferanten"Nutzen:
- Strategische Analysen mit operativem Kontext verknüpft
- Vollständige Nachvollziehbarkeit
- Basis für strategische Planung
Regelmässige Pflege#
Quartalsweiser Review-Prozess#
Q1-Review (Januar - März):
Fokus: Neue Themen und Trends
Agenda:
Externe Entwicklungen prüfen:
- Wirtschaftslage: Änderungen?
- Regulierung: Neue Gesetze?
- Technologie: Neue Trends?
Neue Themen erfassen:
- PESTEL-Checkliste durchgehen
- Fehlende Themen hinzufügen
Veraltete Themen entfernen:
- Nicht mehr relevante Themen löschen
- Begründung in Audit-Log
Dauer: 2 Stunden
Teilnehmer: Führungskräfte, QMB
Q2-Review (April - Juni):
Fokus: Stakeholder-Bewertungen
Agenda:
Bewertungen aktualisieren:
- Hat sich Interesse geändert?
- Hat sich Einfluss geändert?
Neue Stakeholder hinzufügen:
- Neue Kunden/Lieferanten?
- Neue Behörden/Partner?
Inaktive Stakeholder entfernen:
- Ehemalige Kunden/Lieferanten
- Nicht mehr relevante Gruppen
Dauer: 2 Stunden
Teilnehmer: Abteilungsleiter, QMB
Q3-Review (Juli - September):
Fokus: Verknüpfungen und Integration
Agenda:
Prozess-Verknüpfungen prüfen:
- Alle Stakeholder haben Prozesse?
- Alle Prozesse haben Stakeholder?
SWOT-Verknüpfungen prüfen:
- SWOT-Analysen aktualisiert?
- Verknüpfungen korrekt?
Verantwortlichkeiten anpassen:
- Funktionen noch korrekt?
- Neue Verantwortliche?
Dauer: 1.5 Stunden
Teilnehmer: QMB, Prozess-Verantwortliche
Q4-Review (Oktober - Dezember):
Fokus: Jahresabschluss und Dokumentation
Agenda:
Vollständigkeit prüfen:
- Alle ISO 9001 Anforderungen erfüllt?
- Dokumentation vollständig?
Audit-Vorbereitung:
- Dashboard exportieren
- Änderungshistorie sichten
- Nachweise vorbereiten
Planung nächstes Jahr:
- Neue Themen für 2025?
- Prozess-Verbesserungen?
Dauer: 2 Stunden
Teilnehmer: Geschäftsleitung, QMB, Führungskräfte
Review-Checkliste#
Vor jedem Review:
- Dashboard geöffnet und geprüft
- Änderungshistorie gesichtet
- Externe Entwicklungen recherchiert
- Teilnehmer eingeladen und vorbereitet
Während dem Review:
- Alle Stakeholder durchgegangen
- Alle Themen durchgegangen
- Bewertungen diskutiert und angepasst
- Neue Einträge erfasst
- Veraltete Einträge entfernt
Nach dem Review:
- Änderungen in ELIZA gespeichert
- Protokoll erstellt
- Aufgaben verteilt (falls erforderlich)
- Nächster Review-Termin fixiert
Qualitätskriterien#
Checkliste für neue Stakeholder#
Vor dem Veröffentlichen eines neuen Stakeholders:
- Name: Eindeutig, präzise, nicht zu allgemein
- Beschreibung: 2-5 Sätze, verständlich
- Interesse: Realistisch bewertet (1-3)
- Einfluss: Realistisch bewertet (1-3)
- Rating: Passt zur erwarteten Priorität
- Farbe: Entspricht der strategischen Bedeutung
- Verantwortung: Mindestens eine Funktion zugeordnet
- Duplikate: Mit Suche geprüft (keine Doppelung)
Checkliste für neue Themen#
Vor dem Veröffentlichen eines neuen Themas:
- Titel: Kurz und prägnant
- Beschreibung: Strukturiert (Situation, Auswirkungen, Massnahmen)
- Typ: Korrekt zugeordnet (intern/extern)
- Verantwortung: Funktion zugeordnet
- Markdown: Korrekt formatiert (falls verwendet)
- Duplikate: Mit Suche geprüft
Qualitätsindikatoren#
Guter Kontext:
- ✅ Vollständigkeit: 10-20 Stakeholder, 10-15 Themen
- ✅ Aktualität: Letzte Änderung < 3 Monate
- ✅ Verknüpfungen: >80% der Stakeholder haben Prozesse
- ✅ Bewertungen: Priorisierung ist plausibel
- ✅ Verantwortung: Alle Einträge haben Verantwortliche
- ✅ Dokumentation: Beschreibungen sind aussagekräftig
Schlechter Kontext:
- ❌ Unvollständig: <5 Stakeholder, <5 Themen
- ❌ Veraltet: Letzte Änderung > 6 Monate
- ❌ Keine Verknüpfungen: Stakeholder ohne Prozesse
- ❌ Unrealistische Bewertungen: Alle rot oder alle grün
- ❌ Keine Verantwortung: Funktionen fehlen
- ❌ Leere Beschreibungen: Nur Titel, keine Details
ISO 9001 Compliance#
Kapitel 4.1 - Kontext der Organisation#
Anforderung:
Die Organisation muss externe und interne Themen bestimmen, die für ihren Zweck und ihre strategische Ausrichtung relevant sind.
Nachweis in ELIZA:
- Dashboard zeigt alle internen Themen (Tabelle)
- Dashboard zeigt alle externen Themen (Tabelle)
- Beschreibungen erklären Relevanz
- Regelmässige Reviews protokolliert (Änderungshistorie)
Audit-Fragen vorbereiten:
- “Wie bestimmen Sie relevante Themen?” → Workshop-Prozess erklären
- “Wie halten Sie Themen aktuell?” → Quartalsreview zeigen
- “Welche Auswirkungen haben diese Themen?” → Beschreibungen zeigen
Kapitel 4.2 - Interessierte Parteien#
Anforderung:
Die Organisation muss bestimmen: a) welche interessierten Parteien für das QM-System relevant sind b) welche Anforderungen diese interessierten Parteien haben
Nachweis in ELIZA:
- Dashboard zeigt alle Stakeholder (Tabelle)
- Bewertung (Interesse × Einfluss) zeigt Relevanz
- Beschreibungen dokumentieren Anforderungen
- Verknüpfte Prozesse zeigen, wie Anforderungen erfüllt werden
Audit-Fragen vorbereiten:
- “Wie bestimmen Sie relevante Parteien?” → Bewertungsmatrix zeigen
- “Welche Anforderungen haben diese Parteien?” → Beschreibungen zeigen
- “Wie erfüllen Sie diese Anforderungen?” → Prozess-Verknüpfungen zeigen
Management Review Integration#
Best Practice:
Integriere den Kontext in dein Management Review.
Agenda-Punkt:
4. Kontext der Organisation
4.1 Änderungen bei interessierten Parteien
- Neue Stakeholder seit letztem Review?
- Bewertungsänderungen? (Farbe rot → grün?)
4.2 Änderungen bei internen/externen Themen
- Neue Themen identifiziert?
- Bestehende Themen noch relevant?
4.3 Auswirkungen auf Prozesse
- Müssen Prozesse angepasst werden?
- Neue Prozesse erforderlich?
4.4 Nächste Schritte
- Verantwortlichkeiten festlegen
- Termine definierenNachweis:
- Management Review Protokoll enthält Kontext
- Beschlüsse zu Stakeholder/Themen dokumentiert
- Massnahmen werden verfolgt
Häufige Fehler vermeiden#
❌ Fehler 1: Zu viele Stakeholder#
Problem:
50+ einzelne Stakeholder, unübersichtlich und schwer zu pflegen.
Lösung:
- Gruppiere ähnliche Stakeholder
- Maximal 10-20 Stakeholder-Gruppen
- Nutze Beschreibung für Details
Beispiel:
❌ Falsch:
- Kunde A GmbH
- Kunde B AG
- Kunde C KG
- ... (50 weitere)
✅ Richtig:
- Direktkunden aus der Industrie
Beschreibung: Hauptkunden sind Kunde A (40% Umsatz),
Kunde B (25% Umsatz), Kunde C (15% Umsatz)❌ Fehler 2: Unrealistische Bewertungen#
Problem:
Alle Stakeholder haben Rating 9 (rot) oder alle Rating 1 (grün).
Lösung:
- Bewertung ist relativ, nicht absolut
- Differentiere zwischen Stakeholdern
- Nutze Bewertungs-Workshop für Konsens
Verteilung sollte etwa so aussehen:
🔴 Rot (Rating > 7): 20-30% der Stakeholder
🟠 Orange (Rating 4-7): 40-50% der Stakeholder
🟢 Grün (Rating < 4): 20-30% der Stakeholder❌ Fehler 3: Leere Beschreibungen#
Problem:
Stakeholder/Themen haben nur Titel, aber keine Beschreibung.
Lösung:
- Mindestens 2-3 Sätze pro Eintrag
- Nutze Markdown für Struktur
- Erkläre Relevanz und Auswirkungen
Beispiel:
❌ Falsch:
Name: Kunden
Beschreibung: [leer]
✅ Richtig:
Name: Direktkunden aus der Industrie
Beschreibung:
Unsere Hauptkunden sind mittelgrosse Industriebetriebe.
Sie erwarten hohe Qualität, Liefertreue und Flexibilität.
Die Top 3 Kunden generieren 80% unseres Umsatzes.❌ Fehler 4: Keine Verknüpfungen#
Problem:
Stakeholder und Themen existieren, aber ohne Verknüpfung zu Prozessen/SWOT.
Lösung:
- Systematisch alle Prozesse durchgehen
- Stakeholder/Themen zuordnen
- Prozess-Stakeholder-Matrix nutzen
Ergebnis:
- Mindestens 80% der Stakeholder haben Prozess-Verknüpfungen
- Vollständige Traceability
❌ Fehler 5: Veraltete Daten#
Problem:
Kontext wurde vor 2 Jahren erstellt, seither keine Updates.
Lösung:
- Quartalsweise Reviews etablieren
- Kalendererinnerungen setzen
- Verantwortlichkeiten klar definieren
- Teil des Management Reviews
Review-Reminder:
Q1: Januar → Kontext Review
Q2: April → Kontext Review
Q3: Juli → Kontext Review
Q4: Oktober → Kontext Review + Audit-VorbereitungZusammenfassung#
Die 10 Goldenen Regeln#
- Gruppierung vor Menge: 10-20 Stakeholder-Gruppen statt 100 Einzelne
- Realistische Bewertung: Nutze das volle Spektrum (1-3), nicht nur Extreme
- Strukturierte Beschreibungen: Markdown nutzen, Situation-Auswirkungen-Massnahmen
- Vollständige Verknüpfungen: Stakeholder ↔ Prozesse ↔ SWOT
- Regelmässige Reviews: Quartalsweise Updates, nicht jährlich
- PESTEL für externe Themen: Systematisch alle Kategorien abdecken
- Verantwortlichkeiten klar: Jeder Eintrag hat zugeordnete Funktion
- Audit-Dokumentation: Dashboard-Exports für Nachweise
- Management Review Integration: Kontext als fester Agendapunkt
- Qualität vor Quantität: Lieber 15 gute als 50 schlechte Einträge
Quick-Check: Ist mein Kontext gut?#
Stelle dir diese Fragen:
- Vollständigkeit: Habe ich 10-20 Stakeholder und 10-15 Themen?
- Aktualität: Wurde der Kontext in den letzten 3 Monaten aktualisiert?
- Bewertung: Ist die Priorisierung (rot/orange/grün) realistisch?
- Beschreibung: Haben alle Einträge aussagekräftige Beschreibungen?
- Verknüpfungen: Sind >80% der Stakeholder mit Prozessen verknüpft?
- Verantwortung: Haben alle Einträge zugeordnete Funktionen?
- ISO-Compliance: Kann ich Kapitel 4.1 und 4.2 nachweisen?
- Audit-Ready: Habe ich Dashboard-Exports und Änderungshistorie?
Ergebnis:
- 8/8 Ja: 🎉 Exzellenter Kontext!
- 6-7 Ja: ✅ Guter Kontext, kleine Verbesserungen möglich
- 4-5 Ja: ⚠️ Durchschnittlicher Kontext, Optimierungsbedarf
- <4 Ja: ❌ Schwacher Kontext, dringend überarbeiten
Nächste Schritte#
Weiterführende Ressourcen#
ISO-Normen:
- ISO 9001:2015 - Kapitel 4 (Kontext der Organisation)
- ISO 14001:2015 - Kapitel 4 (Kontext der Organisation)
- ISO/IEC 27001 - Kontext für Informationssicherheit
ELIZA-Module:
- Prozesse: Verknüpfe Stakeholder und Themen mit BPMN-Prozessen
- SWOT: Strategische Analysen mit Kontext verknüpfen
- KPI: Kennzahlen für Stakeholder-Zufriedenheit definieren
- DMS: Dokumentation von Stakeholder-Anforderungen
Support:
- ELIZA Hilfe-Center: support@eliza.ch
- ISO 9001 Beratung: Zertifizierer kontaktieren
- Stakeholder-Analyse-Workshops: Externe Moderation
Viel Erfolg mit deinem Kontext Management! 🎯
Tipp zum Abschluss: Der Kontext ist kein statisches Dokument, sondern ein lebendes Instrument. Investiere regelmässig Zeit in Reviews und Updates – es zahlt sich bei Audits und strategischer Planung aus!