Best Practices#

Dieses Kapitel zeigt dir bewährte Methoden für ein effektives Kontext Management.

Stakeholder-Identifikation#

Die richtigen Stakeholder finden#

Systematischer Ansatz:

Nutze die Stakeholder-Kategorien als Checkliste:

Primäre Stakeholder (direkte Beziehung):

  • Kunden: Wer kauft unsere Produkte/Dienstleistungen?
  • Lieferanten: Von wem beziehen wir Waren/Dienstleistungen?
  • Mitarbeitende: Wer arbeitet für uns?
  • Eigentümer: Wem gehört das Unternehmen?

Sekundäre Stakeholder (indirekte Beziehung):

  • Behörden: Welche Ämter regulieren uns?
  • Wettbewerber: Wer konkurriert mit uns?
  • Öffentlichkeit: Wer nimmt uns wahr (Medien, Anwohner)?
  • Finanzpartner: Banken, Investoren, Versicherungen?

Tertiäre Stakeholder (potenzielle Beziehung):

  • Zukünftige Kunden: Neue Marktsegmente?
  • Potenzielle Partner: Kooperationsmöglichkeiten?
  • Branchenverbände: Netzwerke und Organisationen?

Stakeholder-Namen richtig wählen#

Gut - Spezifisch:

  • “Direktkunden aus der Industrie”
  • “Zulieferer von Rohmaterialien”
  • “Kantonale Umweltschutzbehörde”
  • “Mitarbeitende in der Produktion”

Schlecht - Zu allgemein:

  • “Kunden” (Welche? Alle?)
  • “Lieferanten” (Welche Art?)
  • “Behörden” (Welche konkret?)
  • “Mitarbeiter” (Welche Gruppe?)

Stakeholder-Gruppen sinnvoll zusammenfassen#

Zu viele Stakeholder (unpraktisch):

❌ Einzelne Stakeholder:
- Kunde A
- Kunde B
- Kunde C
- Kunde D
→ 100+ Stakeholder, unübersichtlich

Richtige Gruppierung:

✅ Gruppierte Stakeholder:
- Direktkunden aus der Industrie
- Endkunden (B2C)
- Händler und Distributoren
→ 10-15 Stakeholder-Gruppen, übersichtlich

Faustregel:

  • 10-20 Stakeholder-Gruppen sind optimal
  • Zu wenige (<5): Zu grob, wenig Aussagekraft
  • Zu viele (>30): Unübersichtlich, schwer zu pflegen

Bewertungssystem optimal nutzen#

Interesse richtig bewerten#

Interesse = Wie stark interessiert sich die Partei für unser Unternehmen?

Klein (1):

  • Partei zeigt kaum Interesse
  • Sporadischer Kontakt
  • Keine aktive Nachfrage

Beispiel: Behörde, die nur bei Verstössen aktiv wird

Mittel (2):

  • Partei zeigt moderates Interesse
  • Regelmässiger Kontakt
  • Gelegentliche Anfragen

Beispiel: Lieferanten mit mehreren Kunden

Gross (3):

  • Partei ist stark interessiert
  • Intensiver, proaktiver Kontakt
  • Hohe Aufmerksamkeit für uns

Beispiel: Schlüsselkunden, Eigentümer, Führungskräfte

Einfluss richtig bewerten#

Einfluss = Wie stark kann die Partei uns beeinflussen?

Klein (1):

  • Partei hat kaum Einfluss
  • Kann uns nicht signifikant schaden/helfen
  • Leicht ersetzbar

Beispiel: Kleine Lieferanten, lokale Medien

Mittel (2):

  • Partei hat moderaten Einfluss
  • Kann uns beeinflussen, aber nicht existenziell
  • Teilweise ersetzbar

Beispiel: Mittelgrosse Kunden, Branchenverbände

Gross (3):

  • Partei hat grossen Einfluss
  • Kann uns existenziell beeinflussen
  • Schwer oder nicht ersetzbar

Beispiel: Hauptkunden, Zertifizierer, Regulierungsbehörden

Bewertungs-Workshops durchführen#

Empfohlener Prozess:

Schritt 1: Vorbereitung

  • Liste aller Stakeholder erstellen
  • Workshop-Teilnehmer einladen (Führungskräfte, Fachexperten)
  • Bewertungskriterien erklären

Schritt 2: Individuelle Bewertung

  • Jeder Teilnehmer bewertet zunächst individuell
  • Interesse und Einfluss pro Stakeholder (1-3)
  • Notizen zu Begründungen

Schritt 3: Gemeinsame Diskussion

  • Bewertungen vergleichen
  • Abweichungen diskutieren
  • Konsens finden

Schritt 4: Dokumentation

  • Finale Bewertungen in ELIZA erfassen
  • Begründungen in Beschreibung aufnehmen
  • Review-Termin festlegen

Beispiel-Diskussion:

Stakeholder: Hauptkunden

Person A:  Interesse: 3, Einfluss: 3 → Rating: 9 (Rot)
Person B:  Interesse: 2, Einfluss: 3 → Rating: 6 (Orange)

Diskussion:
- A: "Hauptkunden kontaktieren uns proaktiv mehrmals pro Woche"
- B: "Aber wir haben mehrere Hauptkunden, Abhängigkeit nicht so gross"

Konsens:
- Interesse: 3 (proaktiver Kontakt bestätigt)
- Einfluss: 3 (trotz Diversifizierung existenziell wichtig)
→ Rating: 9 (Rot) ✅

Farbcodierung strategisch nutzen#

Priorisierungs-Matrix:

┌─────────────────────────────────────────────────────┐
│  Stakeholder-Priorisierung nach Rating              │
├─────────────────────────────────────────────────────┤
│                                                     │
│  🔴 ROT (Rating > 7): Hohe Priorität               │
│     - Intensive Kommunikation                       │
│     - Regelmässiges Management                      │
│     - Risiko-Monitoring                             │
│     - Eigene Prozesse definieren                    │
│                                                     │
│  🟠 ORANGE (Rating 4-7): Mittlere Priorität        │
│     - Regelmässige Information                      │
│     - Monitoring wichtiger Entwicklungen            │
│     - Standard-Prozesse ausreichend                 │
│                                                     │
│  🟢 GRÜN (Rating < 4): Niedrige Priorität          │
│     - Gelegentliche Information                     │
│     - Beobachtung bei Bedarf                        │
│     - Minimaler Aufwand                             │
│                                                     │
└─────────────────────────────────────────────────────┘

Kommunikationsplan nach Farbe:

FarbeFrequenzKanalInhalte
🔴 RotWöchentlichPersönlich, E-MailStatus, Risiken, Massnahmen
🟠 OrangeMonatlichE-Mail, NewsletterUpdates, wichtige Änderungen
🟢 GrünQuartalsweiseNewsletter, WebsiteAllgemeine Informationen

Themenmanagement#

Interne vs. Externe Themen unterscheiden#

Interne Themen:

Faktoren, die innerhalb der Organisation kontrollierbar sind.

Merkmale:

  • Wir haben direkte Kontrolle
  • Können durch interne Massnahmen geändert werden
  • Betreffen interne Ressourcen, Prozesse, Kultur

Beispiele:

  • Prozessreife
  • Mitarbeiterkompetenzen
  • IT-Infrastruktur
  • Unternehmenskultur
  • Finanzielle Ressourcen

Externe Themen:

Faktoren aus der Umwelt der Organisation, die wir nicht direkt kontrollieren.

Merkmale:

  • Wir haben keine direkte Kontrolle
  • Müssen beobachtet und darauf reagiert werden
  • Betreffen Markt, Gesellschaft, Regulierung, Technologie

Beispiele:

  • Wirtschaftslage
  • Regulatorische Anforderungen
  • Technologie-Trends
  • Wettbewerbssituation
  • Kundenbedürfnisse

Grenzfälle:

Manche Themen sind sowohl intern als auch extern:

Beispiel: Digitalisierung

Extern:  Technologie-Trends am Markt (wir können sie nicht kontrollieren)
Intern:  Unser Digitalisierungsgrad (wir können ihn verbessern)

Lösung:  Zwei separate Themen erstellen:
- "Digitalisierung in der Branche" (Extern)
- "Digitalisierungsgrad im Unternehmen" (Intern)

PESTEL-Analyse für externe Themen#

Nutze das PESTEL-Framework für vollständige externe Themen:

P - Political (Politisch):

  • Politische Stabilität
  • Handelspolitik
  • Steuerpolitik
  • Subventionen

E - Economic (Wirtschaftlich):

  • Konjunktur
  • Inflation
  • Wechselkurse
  • Kaufkraft

S - Social (Sozial):

  • Demografische Entwicklung
  • Wertewandel
  • Bildungsniveau
  • Gesundheitsbewusstsein

T - Technological (Technologisch):

  • Digitalisierung
  • Automatisierung
  • Innovation
  • Technologie-Trends

E - Environmental (Ökologisch):

  • Klimawandel
  • Umweltauflagen
  • Ressourcenknappheit
  • Nachhaltigkeit

L - Legal (Rechtlich):

  • Gesetze und Vorschriften
  • Normen und Standards
  • Arbeitsrecht
  • Produkthaftung

Checkliste für vollständige externe Themen:

  • Politische Themen erfasst?
  • Wirtschaftliche Themen erfasst?
  • Soziale Themen erfasst?
  • Technologische Themen erfasst?
  • Ökologische Themen erfasst?
  • Rechtliche Themen erfasst?

Themen mit Markdown strukturieren#

Empfohlenes Format für Themen-Beschreibungen:

## [Themenname]

**Aktuelle Situation:**
[Kurze Beschreibung des aktuellen Zustands]

**Entwicklung:**
[Wie hat sich das Thema entwickelt? Trends?]

**Auswirkungen auf uns:**
- Positive Effekte
- Negative Effekte
- Chancen
- Risiken

**Unsere Massnahmen:**
1. [Massnahme 1]
2. [Massnahme 2]
3. [Massnahme 3]

**Verantwortung:** [Funktion/Abteilung]

**Review:** [Nächster Review-Termin]

Beispiel: Fachkräftemangel

## Fachkräftemangel

**Aktuelle Situation:**
In unserer Branche (Industrie) herrscht akuter Fachkräftemangel.
Offene Stellen können oft 6+ Monate nicht besetzt werden.

**Entwicklung:**
- 2023: 3 Monate durchschnittliche Vakanzzeit
- 2024: 6 Monate durchschnittliche Vakanzzeit
- Trend: Weiter steigend

**Auswirkungen auf uns:**
- ✅ Chance: Gute Mitarbeiter bleiben länger
- ❌ Risiko: Projektverzögerungen durch fehlende Ressourcen
- ❌ Risiko: Überlastung bestehender Mitarbeiter
- ❌ Risiko: Qualitätsprobleme durch zu hohe Auslastung

**Unsere Massnahmen:**
1. Employer Branding Initiative gestartet (Q3/2024)
2. Flexible Arbeitsmodelle eingeführt (Home-Office, Teilzeit)
3. Ausbildungsoffensive: 2 zusätzliche Lehrstellen
4. Weiterbildungsbudget um 20% erhöht

**Verantwortung:** HR-Leitung, Geschäftsleitung

**Review:** Quartalsweise (nächster: Q1/2025)

Verknüpfungen effektiv nutzen#

Prozess-Stakeholder-Matrix erstellen#

Ziel:

Übersicht, welche Prozesse welche Stakeholder adressieren.

Vorgehensweise:

Schritt 1: Liste erstellen

Erstelle eine Tabelle (Excel oder Markdown):

ProzessKundenLieferantenMitarbeitendeBehördenEigentümer
Vertrieb
Beschaffung
Produktion
QM
Management Review

Schritt 2: Lücken identifizieren

Frage dich:

  • Welche Stakeholder haben keine zugeordneten Prozesse? → Prozess-Lücke!
  • Welche Prozesse haben keine Stakeholder? → Redundanter Prozess?

Schritt 3: Verknüpfungen in ELIZA herstellen

Für jeden Prozess mit ✅:

  1. Prozess öffnen (BPMN)
  2. Bearbeiten
  3. Stakeholder auswählen
  4. Speichern

Ergebnis:

✅ Vollständige Traceability zwischen Stakeholdern und Prozessen

SWOT-Kontext Integration#

Best Practice:

Verknüpfe SWOT-Einschätzungen systematisch:

Stärken → Interne Themen:

SWOT: Hohe Prozessreife (Stärke)
→ Verknüpfung: Thema "Prozessreife" (intern)

Schwächen → Interne Themen:

SWOT: Begrenzte Ressourcen (Schwäche)
→ Verknüpfung: Thema "Ressourcenverfügbarkeit" (intern)

Chancen → Externe Themen:

SWOT: Wachsende Nachfrage (Chance)
→ Verknüpfung: Thema "Wirtschaftslage" (extern)

Risiken → Externe Themen:

SWOT: Neue Regulierungen (Risiko)
→ Verknüpfung: Thema "Regulierung" (extern)

Stärken/Schwächen → Stakeholder:

SWOT: Hohe Kundenzufriedenheit (Stärke)
→ Verknüpfung: Stakeholder "Kunden"

SWOT: Abhängigkeit von wenigen Lieferanten (Schwäche)
→ Verknüpfung: Stakeholder "Lieferanten"

Nutzen:

  • Strategische Analysen mit operativem Kontext verknüpft
  • Vollständige Nachvollziehbarkeit
  • Basis für strategische Planung

Regelmässige Pflege#

Quartalsweiser Review-Prozess#

Q1-Review (Januar - März):

Fokus: Neue Themen und Trends

Agenda:

  1. Externe Entwicklungen prüfen:

    • Wirtschaftslage: Änderungen?
    • Regulierung: Neue Gesetze?
    • Technologie: Neue Trends?
  2. Neue Themen erfassen:

    • PESTEL-Checkliste durchgehen
    • Fehlende Themen hinzufügen
  3. Veraltete Themen entfernen:

    • Nicht mehr relevante Themen löschen
    • Begründung in Audit-Log

Dauer: 2 Stunden

Teilnehmer: Führungskräfte, QMB

Q2-Review (April - Juni):

Fokus: Stakeholder-Bewertungen

Agenda:

  1. Bewertungen aktualisieren:

    • Hat sich Interesse geändert?
    • Hat sich Einfluss geändert?
  2. Neue Stakeholder hinzufügen:

    • Neue Kunden/Lieferanten?
    • Neue Behörden/Partner?
  3. Inaktive Stakeholder entfernen:

    • Ehemalige Kunden/Lieferanten
    • Nicht mehr relevante Gruppen

Dauer: 2 Stunden

Teilnehmer: Abteilungsleiter, QMB

Q3-Review (Juli - September):

Fokus: Verknüpfungen und Integration

Agenda:

  1. Prozess-Verknüpfungen prüfen:

    • Alle Stakeholder haben Prozesse?
    • Alle Prozesse haben Stakeholder?
  2. SWOT-Verknüpfungen prüfen:

    • SWOT-Analysen aktualisiert?
    • Verknüpfungen korrekt?
  3. Verantwortlichkeiten anpassen:

    • Funktionen noch korrekt?
    • Neue Verantwortliche?

Dauer: 1.5 Stunden

Teilnehmer: QMB, Prozess-Verantwortliche

Q4-Review (Oktober - Dezember):

Fokus: Jahresabschluss und Dokumentation

Agenda:

  1. Vollständigkeit prüfen:

    • Alle ISO 9001 Anforderungen erfüllt?
    • Dokumentation vollständig?
  2. Audit-Vorbereitung:

    • Dashboard exportieren
    • Änderungshistorie sichten
    • Nachweise vorbereiten
  3. Planung nächstes Jahr:

    • Neue Themen für 2025?
    • Prozess-Verbesserungen?

Dauer: 2 Stunden

Teilnehmer: Geschäftsleitung, QMB, Führungskräfte

Review-Checkliste#

Vor jedem Review:

  • Dashboard geöffnet und geprüft
  • Änderungshistorie gesichtet
  • Externe Entwicklungen recherchiert
  • Teilnehmer eingeladen und vorbereitet

Während dem Review:

  • Alle Stakeholder durchgegangen
  • Alle Themen durchgegangen
  • Bewertungen diskutiert und angepasst
  • Neue Einträge erfasst
  • Veraltete Einträge entfernt

Nach dem Review:

  • Änderungen in ELIZA gespeichert
  • Protokoll erstellt
  • Aufgaben verteilt (falls erforderlich)
  • Nächster Review-Termin fixiert

Qualitätskriterien#

Checkliste für neue Stakeholder#

Vor dem Veröffentlichen eines neuen Stakeholders:

  • Name: Eindeutig, präzise, nicht zu allgemein
  • Beschreibung: 2-5 Sätze, verständlich
  • Interesse: Realistisch bewertet (1-3)
  • Einfluss: Realistisch bewertet (1-3)
  • Rating: Passt zur erwarteten Priorität
  • Farbe: Entspricht der strategischen Bedeutung
  • Verantwortung: Mindestens eine Funktion zugeordnet
  • Duplikate: Mit Suche geprüft (keine Doppelung)

Checkliste für neue Themen#

Vor dem Veröffentlichen eines neuen Themas:

  • Titel: Kurz und prägnant
  • Beschreibung: Strukturiert (Situation, Auswirkungen, Massnahmen)
  • Typ: Korrekt zugeordnet (intern/extern)
  • Verantwortung: Funktion zugeordnet
  • Markdown: Korrekt formatiert (falls verwendet)
  • Duplikate: Mit Suche geprüft

Qualitätsindikatoren#

Guter Kontext:

  • Vollständigkeit: 10-20 Stakeholder, 10-15 Themen
  • Aktualität: Letzte Änderung < 3 Monate
  • Verknüpfungen: >80% der Stakeholder haben Prozesse
  • Bewertungen: Priorisierung ist plausibel
  • Verantwortung: Alle Einträge haben Verantwortliche
  • Dokumentation: Beschreibungen sind aussagekräftig

Schlechter Kontext:

  • Unvollständig: <5 Stakeholder, <5 Themen
  • Veraltet: Letzte Änderung > 6 Monate
  • Keine Verknüpfungen: Stakeholder ohne Prozesse
  • Unrealistische Bewertungen: Alle rot oder alle grün
  • Keine Verantwortung: Funktionen fehlen
  • Leere Beschreibungen: Nur Titel, keine Details

ISO 9001 Compliance#

Kapitel 4.1 - Kontext der Organisation#

Anforderung:

Die Organisation muss externe und interne Themen bestimmen, die für ihren Zweck und ihre strategische Ausrichtung relevant sind.

Nachweis in ELIZA:

  1. Dashboard zeigt alle internen Themen (Tabelle)
  2. Dashboard zeigt alle externen Themen (Tabelle)
  3. Beschreibungen erklären Relevanz
  4. Regelmässige Reviews protokolliert (Änderungshistorie)

Audit-Fragen vorbereiten:

  • “Wie bestimmen Sie relevante Themen?” → Workshop-Prozess erklären
  • “Wie halten Sie Themen aktuell?” → Quartalsreview zeigen
  • “Welche Auswirkungen haben diese Themen?” → Beschreibungen zeigen

Kapitel 4.2 - Interessierte Parteien#

Anforderung:

Die Organisation muss bestimmen: a) welche interessierten Parteien für das QM-System relevant sind b) welche Anforderungen diese interessierten Parteien haben

Nachweis in ELIZA:

  1. Dashboard zeigt alle Stakeholder (Tabelle)
  2. Bewertung (Interesse × Einfluss) zeigt Relevanz
  3. Beschreibungen dokumentieren Anforderungen
  4. Verknüpfte Prozesse zeigen, wie Anforderungen erfüllt werden

Audit-Fragen vorbereiten:

  • “Wie bestimmen Sie relevante Parteien?” → Bewertungsmatrix zeigen
  • “Welche Anforderungen haben diese Parteien?” → Beschreibungen zeigen
  • “Wie erfüllen Sie diese Anforderungen?” → Prozess-Verknüpfungen zeigen

Management Review Integration#

Best Practice:

Integriere den Kontext in dein Management Review.

Agenda-Punkt:

4. Kontext der Organisation

4.1 Änderungen bei interessierten Parteien
    - Neue Stakeholder seit letztem Review?
    - Bewertungsänderungen? (Farbe rot → grün?)

4.2 Änderungen bei internen/externen Themen
    - Neue Themen identifiziert?
    - Bestehende Themen noch relevant?

4.3 Auswirkungen auf Prozesse
    - Müssen Prozesse angepasst werden?
    - Neue Prozesse erforderlich?

4.4 Nächste Schritte
    - Verantwortlichkeiten festlegen
    - Termine definieren

Nachweis:

  • Management Review Protokoll enthält Kontext
  • Beschlüsse zu Stakeholder/Themen dokumentiert
  • Massnahmen werden verfolgt

Häufige Fehler vermeiden#

❌ Fehler 1: Zu viele Stakeholder#

Problem:

50+ einzelne Stakeholder, unübersichtlich und schwer zu pflegen.

Lösung:

  • Gruppiere ähnliche Stakeholder
  • Maximal 10-20 Stakeholder-Gruppen
  • Nutze Beschreibung für Details

Beispiel:

❌ Falsch:
- Kunde A GmbH
- Kunde B AG
- Kunde C KG
- ... (50 weitere)

✅ Richtig:
- Direktkunden aus der Industrie
  Beschreibung: Hauptkunden sind Kunde A (40% Umsatz),
                Kunde B (25% Umsatz), Kunde C (15% Umsatz)

❌ Fehler 2: Unrealistische Bewertungen#

Problem:

Alle Stakeholder haben Rating 9 (rot) oder alle Rating 1 (grün).

Lösung:

  • Bewertung ist relativ, nicht absolut
  • Differentiere zwischen Stakeholdern
  • Nutze Bewertungs-Workshop für Konsens

Verteilung sollte etwa so aussehen:

🔴 Rot (Rating > 7):  20-30% der Stakeholder
🟠 Orange (Rating 4-7): 40-50% der Stakeholder
🟢 Grün (Rating < 4):  20-30% der Stakeholder

❌ Fehler 3: Leere Beschreibungen#

Problem:

Stakeholder/Themen haben nur Titel, aber keine Beschreibung.

Lösung:

  • Mindestens 2-3 Sätze pro Eintrag
  • Nutze Markdown für Struktur
  • Erkläre Relevanz und Auswirkungen

Beispiel:

❌ Falsch:
Name: Kunden
Beschreibung: [leer]

✅ Richtig:
Name: Direktkunden aus der Industrie
Beschreibung:
Unsere Hauptkunden sind mittelgrosse Industriebetriebe.
Sie erwarten hohe Qualität, Liefertreue und Flexibilität.
Die Top 3 Kunden generieren 80% unseres Umsatzes.

❌ Fehler 4: Keine Verknüpfungen#

Problem:

Stakeholder und Themen existieren, aber ohne Verknüpfung zu Prozessen/SWOT.

Lösung:

  • Systematisch alle Prozesse durchgehen
  • Stakeholder/Themen zuordnen
  • Prozess-Stakeholder-Matrix nutzen

Ergebnis:

  • Mindestens 80% der Stakeholder haben Prozess-Verknüpfungen
  • Vollständige Traceability

❌ Fehler 5: Veraltete Daten#

Problem:

Kontext wurde vor 2 Jahren erstellt, seither keine Updates.

Lösung:

  • Quartalsweise Reviews etablieren
  • Kalendererinnerungen setzen
  • Verantwortlichkeiten klar definieren
  • Teil des Management Reviews

Review-Reminder:

Q1: Januar → Kontext Review
Q2: April → Kontext Review
Q3: Juli → Kontext Review
Q4: Oktober → Kontext Review + Audit-Vorbereitung

Zusammenfassung#

Die 10 Goldenen Regeln#

  1. Gruppierung vor Menge: 10-20 Stakeholder-Gruppen statt 100 Einzelne
  2. Realistische Bewertung: Nutze das volle Spektrum (1-3), nicht nur Extreme
  3. Strukturierte Beschreibungen: Markdown nutzen, Situation-Auswirkungen-Massnahmen
  4. Vollständige Verknüpfungen: Stakeholder ↔ Prozesse ↔ SWOT
  5. Regelmässige Reviews: Quartalsweise Updates, nicht jährlich
  6. PESTEL für externe Themen: Systematisch alle Kategorien abdecken
  7. Verantwortlichkeiten klar: Jeder Eintrag hat zugeordnete Funktion
  8. Audit-Dokumentation: Dashboard-Exports für Nachweise
  9. Management Review Integration: Kontext als fester Agendapunkt
  10. Qualität vor Quantität: Lieber 15 gute als 50 schlechte Einträge

Quick-Check: Ist mein Kontext gut?#

Stelle dir diese Fragen:

  • Vollständigkeit: Habe ich 10-20 Stakeholder und 10-15 Themen?
  • Aktualität: Wurde der Kontext in den letzten 3 Monaten aktualisiert?
  • Bewertung: Ist die Priorisierung (rot/orange/grün) realistisch?
  • Beschreibung: Haben alle Einträge aussagekräftige Beschreibungen?
  • Verknüpfungen: Sind >80% der Stakeholder mit Prozessen verknüpft?
  • Verantwortung: Haben alle Einträge zugeordnete Funktionen?
  • ISO-Compliance: Kann ich Kapitel 4.1 und 4.2 nachweisen?
  • Audit-Ready: Habe ich Dashboard-Exports und Änderungshistorie?

Ergebnis:

  • 8/8 Ja: 🎉 Exzellenter Kontext!
  • 6-7 Ja: ✅ Guter Kontext, kleine Verbesserungen möglich
  • 4-5 Ja: ⚠️ Durchschnittlicher Kontext, Optimierungsbedarf
  • <4 Ja: ❌ Schwacher Kontext, dringend überarbeiten

Nächste Schritte#

Weiterführende Ressourcen#

ISO-Normen:

  • ISO 9001:2015 - Kapitel 4 (Kontext der Organisation)
  • ISO 14001:2015 - Kapitel 4 (Kontext der Organisation)
  • ISO/IEC 27001 - Kontext für Informationssicherheit

ELIZA-Module:

  • Prozesse: Verknüpfe Stakeholder und Themen mit BPMN-Prozessen
  • SWOT: Strategische Analysen mit Kontext verknüpfen
  • KPI: Kennzahlen für Stakeholder-Zufriedenheit definieren
  • DMS: Dokumentation von Stakeholder-Anforderungen

Support:

  • ELIZA Hilfe-Center: support@eliza.ch
  • ISO 9001 Beratung: Zertifizierer kontaktieren
  • Stakeholder-Analyse-Workshops: Externe Moderation

Viel Erfolg mit deinem Kontext Management! 🎯

Tipp zum Abschluss: Der Kontext ist kein statisches Dokument, sondern ein lebendes Instrument. Investiere regelmässig Zeit in Reviews und Updates – es zahlt sich bei Audits und strategischer Planung aus!